Warum uns unsere Familie oft so zuverlässig auf die Palme bringt… Familienzeit

23
Dez 2019

Weihnachten – das Fest der Liebe. Im Optimalfall verbringst du friedliche, ruhige Tage mit deinen Liebsten. Aber viele fangen auch schon Anfang Dezember an die Augen zu verdrehen bei dem Gedanken ans Fest. “Die nervigste Zeit des Jahres.” Um Konsumverhalten, und ob und wie man am besten schenkt soll es hier nicht gehen.

Ich möchte mich mit meiner Sicht auf die Frage beschäftigen, warum uns ausgerechnet unsere Familie so zuverlässig auf die Palme bringt. Und was wir tun können, damit das Fest der Liebe auch genau das sein kann. Ein liebevolles Miteinander.

Spieglein, Spieglein,…

Oft sind Verhaltensmuster in Familien ganz unterschiedlich ausgeprägt. Als ältester Bruder oder große Schwester hast du vielleicht früh gelernt mehr Verantwortung zu übernehmen und deine Bedürfnisse auch mal hintenanzustellen. Als jüngstes Kind hast du zwar vielleicht mehr Freiheiten genossen, aber du wurdest eventuell auch mehr betüddelt. Mehr als dir lieb war. Vor allem noch im Erwachsenenalter. Als mittleres Geschwisterchen musstest du vielleicht immer unbewusst darauf achten, dass du überhaupt noch Aufmerksamkeit bekommst und als Einzelkind hast du die ungeteilte Aufmerksamkeit deiner Eltern genossen. Aber vielleicht auch ihre ungeteilten Erwartungen zu tragen bekommen.

Das sieht oberflächlicht nach sehr unterschiedlichen Voraussetzungen aus. Aber am Ende des Tages sind wir doch trotz allem Familie. Und die Verhaltensmuster, die wir von unseren Eltern vorgelebt bekommen ändern sich nicht immer im Verlauf der Jahre, die wir im Elternhaus verbringen. Achte mal darauf, ob dich vielleicht genau die Eigenschaften deines Vaters, deiner Mutter oder deiner Geschwister auf die Palme bringen, die du dir selbst nie im Leben erlauben würdest.

Denn eins haben wir Menschen alle gemeinsam: Jeder von uns ist eine Kombination der DNS unserer Eltern. Du bist zur Hälfte dein Vater und zur Hälfte deine Mutter. Ob du willst oder nicht.

Wenn ich also meine Mutter verurteile oder wütend auf sie bin, dann bin ich gleichzeitig wütend auf den Teil in mir, der meine Mutter ist.

Ich lad dich ein: Nutze die Tage im Kreis der Familie um genau hinzuschauen was dieses Kribbeln in deinem Bauch verursacht. Wodurch du spürst, dass dein Blut zu kochen anfängt. Und dann frag dich ehrlich: Gibts diesen Teil irgendwo ganz tief drin in mir auch? Kann ich ihn liebevoll annehmen, vielleicht mit einem Lächeln auf den Lippen? Oder kann ich mir diese Eigenschaft nicht mal in Gedanken erlauben?
Unsere Familienmitglieder sind die wertvollsten Spiegel, die wir im Leben haben. Jede Stunde mit ihnen gibt dir die Möglichkeit zu sehen, wo du dich selbst vielleicht noch nicht so annimmst wie du bist.

Am Anfang steht immer die Liebe

Als Kinder lieben wir unsere Eltern und Geschwister meistens bedingungslos. Erinnerst du dich noch, wie schön es war deine Eltern lächeln oder lachen zu sehen? Wie du dich gefreut hast, wenn sie glücklich waren? Und wie weh es tat, wenn deine Geschwister oder sogar die Eltern weinten?

Und dann passiert bei vielen Familien irgendwas.. Vielleicht ist es wie mit den Dingen, die du aus deiner Kindheit zu Hause hast. Du stellst sie in den Keller. Wenn du dich dort nicht darum kümmerst werden sie verstauben. Vielleicht kommt auch ein neuer Mensch in dein Leben und wirft seine eigenen Sachen drauf. Oder du selber stellst sie mit anderen Dingen zu. Manchmal passiert auch was im Außen. Putz, der von der Decke bröckelt deckt die Sachen zu. Und ab und zu gibt es wirklich große, einschneidende Ereignisse, die sie ganz verschütten.

Es liegt an dir, was du mit dieser bedingungslosen, kindlichen Liebe in dir anfängst. Du kannst sie verstauben lassen. Du kannst sagen: “Nein, das Ereignis war zu schlimm, da kann ich nie wieder drüber wegsehen.” Oder du kannst die Chance nutzen und das Gerümpel wegräumen. Vielleicht mit deiner Familie zusammen, vielleicht alleine. Das spielt meiner Erfahrung nach meistens keine so große Rolle. Es ist nicht wichtig, was die anderen tun.

Für mich sind alle Menschen, denen ich begegne meine Lehrer. Wenn ich jemandem verzeihe, aber er mir nicht, dann kann ich üben zu verzeihen, egal was der andere tut. Versöhnung auf beiden Seiten ist natürlich auch wunderschön.

Ich habe das große Glück, dass ich meinen verstorbenen Vater und Großvater beerdigen konnte voller Liebe im Herzen. In dem Bewusstsein, dass alles geklärt war und dass wir uns lieben. Bei Freunden habe ich erlebt wie weh es tun kann, wenn das nicht möglich ist.

Deshalb lad ich dich ein: Mach reinen Tisch mit deiner Familie. Schau, dass du gut mit ihnen sein kannst. Auch wenn die Leben so unterschiedlich aussehen. Auch wenn du das Gefühl hast sie verstehen dich nicht. Am Ende sind sie ein Teil von dir.
Je mehr ich den Teil in mir, der meine Familie ist annehme, umso mehr kann ich meine Familie so sein lassen wie sie ist. Und spannenderweise nehmen  meine Lieben mich dann auch mehr an. Das ist die Erfahrung, die ich mit euch teilen möchte.

Nutz die Zeit, die du mit deinen Lieben hast, solange sie noch hier sind. Spielt zusammen, lacht zusammen, erzählt Geschichten von früher.
Ich habe schon viele Menschen in den Tod begleitet und KEINER hat von seinem Job, seinem Auto, seinem Smartphone und seinen Followern erzählt. Die meisten erzählten von schönen Stunden mit ihren Lieben. Von ihren Kindern, Enkeln, Geschwistern, Eltern, guten Freunden. Und vom Schmerz über Unausgesprochenes und Unverziehenes.

Nutz dein Leben! Sei hier, bei den Menschen die dir wichtig sind. Und steck nicht den ganzen Nachmittag deine Nase in ein Smartphone oder Tablet. Spiel mit den Kindern und versuch nicht sie ruhig zu stellen, dass sie “die Großen” nicht beim Reden stören. Sei da, wo du grade bist! 

…was tun, wenn der Druck steigt?

Und was kannst du tun, wenn die politischen Ansichten von deinem Vater dich mal wieder zur Weißglut treiben? Oder die überfürsorgliche Art deiner Mutter? Oder wenn dein Bruder/deine Schwester wiedermal so stur auf seinen/ihren Ansichten beharrt? Wenn dir scheinbar alle in deiner Familie das Gefühl geben du hast es zu nichts gebracht und bekommst dein Leben nicht auf die Reihe?

Zu lernen den anderen als Spiegel zu sehen und bei dir selbst nach den Eigenschaften zu schauen braucht oft Zeit und Übung. Dann bringt es Gelassenheit.

Bis dahin ist viel gewonnen, wenn du es schaffst einen Moment inne zu halten. Nimm ein oder zwei tiefe, bewusste Atemzüge. Wenn du mutig bist (sich mit dem Tod auseinanderzusetzen erfordert meistens Mut) stell dir folgende Frage: “Wenn er/sie nur noch bis morgen leben würde, würde ich mich dann darüber aufregen?” Oder: “Wenn das das letzte Mal ist, dass wir uns sehen, wie würde ich dem anderen in Erinnerung bleiben wollen?”

Oft wirst du vielleicht auch wütend, weil du dich nicht gesehen oder nicht geachtet fühlst. Schau mal, ob du dir diese Achtung in dem Moment einfach selber geben kannst. Am Ende zählt doch, was DU von dir hältst und nicht jemand anders, oder?

Diese kleine Pause und die Fragen reichen oft schon, damit du ruhiger werden kannst. Und dann frag dich am besten weiter: “Was wünsche ich mir für die Zeit mit meiner Familie? Was brauche ich von Ihnen?” Und trau dich das auszusprechen! Du wirst dich wundern, was passiert! Zum Beispiel: “Wir sehen uns so selten, eigentlich möchte ich lieber hören, was du im letzten Jahr schönes erlebt hast, statt über Politik zu diskutieren.”

Zeig den Menschen um dich, dass sie wichtig für dich sind. Sie – ganz genau so wie sie eben grade sind. Und ziemlich sicher wird sich ALLES verändern. Es geht nicht darum, das perfekte Essen aufzutischen oder die perfekten Geschenke unter den Baum zu legen. Am Ende wollen wir uns doch sehen, weil wir wichtig füreinander sind oder?

Ich wünsche euch allen geruhsame Stunden im Kreis eurer Lieben.

Danke fürs Lesen und teilen

Eure Chandradeva

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Chandradeva Schneider