Was? Wann? Wie? Warum? Ayurvedischer Tagesablauf

04
Jan 2020

Im Ayurveda ist die Frage oft nicht nur: “Was tue ich?” Sondern vor allem auch: “Wann?” Essen nachts um 2? Mittagsschlaf – Ja oder Nein? Wann stehe ich am besten auf? Die Antworten sind wie immer nicht in Stein gemeißelt, sondern für jeden ein bisschen anders. Und sie haben wie immer mit den individuellen Doshas zu tun.

Aber es gibt eine grobe Struktur, die für jeden von uns gut ist.

 

Die Doshas im Tagesablauf

Die drei Doshas (Bioenergien) findest du nicht nur in allem Lebendigen in ganz unterschiedlichen Kombinationen. Auch die Tageszeiten werden von unterschiedlichen Doshas bestimmt. Der Rhythmus ist sehr einfach. Es gilt jeweils für Vormittag und Nachmittag:

2 Uhr – 6 Uhr: Vata Dosha (Luft & Äther)
6 Uhr – 10 Uhr: Kapha Dosha (Wasser & Erde)
10 Uhr – 2 Uhr: Pitta Dosha (Feuer & ein Hauch Wasser)

Über die unterschiedlichen Qualitäten der Doshas kannst du die Qualitäten der jeweiligen Tageszeiten ablesen.

 

Ein Ayurvedischer Tagesablauf

Vata bringt Bewegung

Das Vata Dosha ist das leichteste der 3 und steht für Flexibilität, Kreativität & das Bewegungsprinzip im Körper. Es kann im Ungleichgewicht aber auch zu Erschöpfung, mangelnder Konzentration, Nervosität und Ängsten führen. Falls du mit übermäßigem Grübeln vertraut bist… Auch das gehört zu einem Ungleichgewicht dieses Doshas.

2 Uhr bis 6 Uhr nachts ist häufig die Zeit, in der Menschen mit Vata Ungleichgewicht wach werden. Wieder einschlafen fällt dann durch Gedankenspiralen und Grübeln schwer. Vielleicht kommt es sogar zu Panikattacken. Hier ist es gut nicht mit Gewalt liegen zu bleiben. Steh auf, nimm dir ein gutes Buch, mach die Wäsche oder staub ein Regal ab. Vielleicht kommt die Müdigkeit zurück, dann leg dich hin. Durch Ernährungsumstellung, Massagen, Meditation oder Entspannungsübungen kannst du dein Vata balancieren, dann wird dein Schlaf wieder tiefer. Bis dahin bringt es nichts dich unter Druck zu setzen, das erhöht das Vata nur noch mehr.

Wenn du halbwegs rechtzeitig ins Bett gekommen bist wirst du vielleicht feststellen, dass du von ganz allein gegen 6 wach wirst. Oder dass dein Schlaf da zumindest nicht mehr so tief ist. In der Tat wird im Ayurveda empfohlen spätestens um 6 Uhr aufzustehen. Warum so früh? Das wirst du merken, wenn du siehst was alles zu tun ist morgens 😉
Es ist jetzt die perfekte Zeit den Körper in Bewegung zu bringen und zu reinigen. Das heißt: Zuerst eine große Tasse warmes Wasser für den Stoffwechsel, dann leichte Körperübungen (Yoga, Dehnübungen, ein Spaziergang) bis du leicht schwitzt. Anschließend wird der Körper gründlich gereinigt: Zähne putzen, Öl ziehen, Zungenschaber, Nasenspühlung (Neti), Ölung, Dusche. (Das wäre wohlgemerkt das Optimum. Schau wieviel du entspannt in deinen Alltag integrieren kannst.)

Erst danach gibt es Frühstück.

Nachmittags kommt zu dieser Zeit oft das Mittagstief. Vor allem wenn dein Mittagessen zu schwer war fühlst du dich vielleicht erschöpft und unkonzentriert. Hier wird im Ayurveda unterschieden:

  • Bist du in einem Zustand körperlicher Erschöpfung, nach einer Krankheit oder durch harte Arbeit? Dann ist es gut jetzt ein Nickerchen zu machen. 10 – 20 Minuten sind genau richtig. Länger sollte es nicht sein. Du kannst auch bei schöner Musik entspannen.

 

  • Geht es dir körperlich eigentlich gut? Hast du ein bisschen Gewicht zu viel und neigst zu Trägheit? Dann geh für einen kurzen Spaziergang nach draußen, egal bei welchem Wetter. Hier sind mindestens 20 Minuten schön. Vor allem, wenn du ein wenig Grün erreichen kannst in deiner Umgebung. ABER: 10 Minuten um den Block sind besser als nichts, also nicht “schummeln”, nur weil kein Grün in der Nähe deines Büros ist. Du wirst schnell merken, dass du dich frischer fühlst und dich besser konzentrieren kannst.

Pitta bringt “Verdauuen”

Pitta ist für alle Soffwechselprozesse im Körper zuständig, auch die hormonellen Zyklen gehören zu diesem Dosha. Sämtliche Verdauungsenzyme und die Gallenflüssigkeit gehören auch zum Pitta Dosha. Außerdem sorgt es für einen wachen, analytischen Geist, die Fähigkeit zu unterscheiden, was grade gut tut und was nicht, und Entscheidungsfreude. Im Übermaß führt es zu Frustration, Wut, Cholerik, Fanatismus und übermäßigem Kritisieren. Auch die Verdauung geht aus dem Lot. Das zeigt sich oft in Reizmagen, Sodbrennen und Durchfällen.

Die Zeiten in denen das Pitta Dosha regiert sind zum Verdauuen gedacht. Tagsüber ist das die beste Zeit für die Hauptmahlzeit. Hier ist die Verdauung so stark, dass du auch eine kleine Menge Rohkost meistens gut vertragen wirst.

Nachts verdauen wir hier die Eindrücke des Tages im Geist und das Hormonsystem reguliert sich. Gerade wenn du eine anspruchsvolle Zeit im Beruf erlebst oder deine Hormone sich umstellen solltest du darauf achten so viele Stunden Schlaf wie möglich zwischen 10 und 2 Uhr zu bekommen. Auch in Lernphasen ist es entscheidend in dieser Zeit zu schlafen, damit sich das neue Wissen gut in deinem Gedächtnis verankern kann. Vielleicht hast du schon die Erfahrung gemacht, dass von der durchgelernten Nacht meistens eine Woche später nichts mehr übrig ist.

Man kann oft beobachten, dass Menschen, die im Schichtbetrieb arbeiten und nachts wach sind Probleme mit diesem Dosha haben.
Es kann zu hohen Cholesterinwerten, Bluthochdruck, Diabetes und Übersäuerung des Körpers kommen. Bei Frauen kommt es manchmal zu Zyklusverschiebungen, oder die Menstruation bleibt sogar ganz aus.

Wenn du in diesem Zeitfenster wach bist kann es gut sein, dass du gegen 11 wieder Hunger bekommst. Spätestens gegen 1 wird das Ganze unerträglich. Falls es keine andere Möglichkeit gibt als wach zu sein, dann iss eine Kleinigkeit oder trinke eine kleine Tasse warme Milch mit Ingwerpulver oder einen warmen Saft mit Gewürzen, bevor du schlafen gehst. (Wenn du Diabetes hast oder es oft in deiner Familie vorkommt sind hier andere Maßnahmen gefragt. Schreib mich dafür bitte an oder warte auf den ausführlichen Blog über das Kapha Dosha)

 

Kapha bringt Entspannung und Stabilität

Kapha hält unseren Körper gesund und widerstandsfähig. Es bringt dir Ruhe, Gelassenheit, Mitgefühl und Ausgeglichenheit.
Im Übermaß führt es eventuell zu Übergewicht und auf jeden Fall zu Verschleimungen in der Nase und manchmal auch im Gewebe (Ödeme). Außerdem macht es dich träge und lustlos.

Zwischen 6 und 10 Uhr morgens ist es Zeit für die erste Mahlzeit. Das Frühstück ist im Optimalfall warm und leicht verdaulich. Porridge, Milchreis oder Getreidebreis nähren gut und halten lange satt.
Vormittags ist es wichtig, dass du zu dieser Zeit schon in Bewegung bist. Wenn du bis nach 10 im Bett liegst kommst du mit ziemlicher Sicherheit den ganzen Tag nicht mehr in die Gänge. Kennst du das schon? (Die meisten haben das schon erlebt)

Also: Auch wenn du frei hast. Geh nach draußen, räum das Haus auf, beschäftige dich mit Dingen, die Ruhe und Genauigkeit brauchen. Bereite dir ein liebevoll zubereitetes Mittagessen vor. Triff Freunde oder telefoniere mit lieben Menschen. Es ist eine gute Zeit für Kontakt. Auch eine gute Zeit um wichtige Themen mit Geschäftspartnern und Kunden zu besprechen, denn die Müdigkeit der Nacht ist bei ausreichend Schlaf und einer guten Morgenroutine verschwunden und du hast noch keinen Hunger, was bei Menschen mit viel Pitta zu einer granitgen Grundstimmung führen würde.

Abends ist es gut diese Zeit zu nutzen um zur Ruhe zu kommen. Ein schönes, leicht verdauliches Abendessen mit Suppe oder Eintopf bringt dich schnell zur Ruhe und belastet nicht. Sprich mit deiner Familie, aber über schöne Dinge. Dich über das Geschäft aufzuregen wird deine Nachtruhe nicht verbessern. Lies deinen Kindern vor, schaut euch einen schönen Bildband an und denkt euch Geschichten aus oder spielt ein bisschen ruhig zusammen. Es ist auch eine wunderbare Zeit um Entspannungsmassagen auzutauschen. Zum Beispiel eine kleine Fußmassage oder eine Rückenmassage.

Je besser du diese Stunden am Abend nutzt (am besten frei von Smartphone und Fernseher), desto erholsamer wird deine Nacht sein. Mach mal ein Experiment, wenn du Lust hast:
Verbringe eine Woche deine Abende in diesem Zeitfenster ohne Medienkonsum. Du wirst ziemlich sicher merken, dass du von allein müde wirst (“Bettschwere” bekommst). Geh dann auch wirklich gegen 10 ins Bett und beobachte mal, ob du morgens dann nicht viel leichter, frischer und erholter aufstehen kannst.

Ich höre von meinen Klienten oft “Ich bin aber so früh noch nicht müde”. Unter Kunstlicht, vorm Fernseher oder Computerbildschirm kann unser Nervensystem aber leider auch nicht wirklich entspannen.
Die meisten Naturvölker gehen eine Stunde nach der Dämmerung schlafen und stehen eine Stunde vor der Dämmerung wieder auf. Das ist eigentlich unser natürlicher Rhythmus. Kunstlicht, Arbeitszeiten und unser durchgetakteter Tagesrhythmus bringen uns oft aus dem Tritt und führen zu Schlafstörungen und einem unausgeruhten Gefühl am morgen.

 

Kleine Schritte am Anfang

Wenn du Lust hast deine Tage “ayurvedischer” zu gestalten, dann sei nicht so hart mit dir. Such dir für jede Doshazeit eine Sache raus,  die du anders machen möchtest, mach sie eine Woche und erforsche ihren Effekt. Dann kannst du darauf aufbauen oder was anderes probieren.

Oft wollen wir alles gleichzeitig ändern, frustrieren uns dadurch und lassen es dann ganz. Das ist nicht nötig.

Wenn du Fragen zu den Tageszeiten oder ganz speziell für dich hast, melde dich gerne bei mir. Es gibt noch viiiieeeele Tipps, die ganz leicht umzusetzen sind.

Ansonsten wie immer: Vielen Dank fürs lesen, viel Spaß beim Ausprobieren und danke fürs Teilen.

Deine Chandradeva

 

 

 

 

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Chandradeva Schneider