Die Doshas

Bei der Betrachtung der Doshas ist es besonders wichtig nicht aus den Augen zu verlieren, dass jeder Mensch alle drei Doshas in unterschiedlicher Verteilung in sich trägt. Es gibt keinen reinen „Vata-Typen” oder „Pitta-Typen”. Hinzu kommt, dass auch bei einem Menschen, der beispielsweise sehr viel Kapha in sich trägt das Vata-Dosha aus dem Gleichgewicht geraten kann, mit der entsprechenden Symptomatik.

Das Ziel des Ayurveda ist es, jedes Dosha in seiner Einzigartigkeit mit all seinen Qualitäten zu verstehen und das individuelle Gleichgewicht für jeden Menschen wieder herzustellen. Dies wird erzielt durch eine der Witterung angepasste, achtsame und gesunde Lebensweise.

Als die Säulen der bestmöglichen Gesundheit gelten hierbei:

  • Ausgeglichene Doshas in der jeweiligen persönlichen Verteilung
  • Eine ausgewogene Verdauung und ein guter Stoffwechsel
  • Gut aufgebautes und versorgtes Gewebe und eine funktionierende Ausscheidung von Giftstoffen
  • Funktionierende Sinnesorgane
  • Glücklich sein, bei allem, was man tut

Die hier aufgeführten Informationen sind aber nur als kurze Einführung zu verstehen. Die Komplexität der einzelnen Doshas geht noch wesentlich über das Beschriebene hinaus.

Vata

Element: Äther, Luft

Eigenschaften: trocken, leicht, kalt, rau, feinstofflich, beweglich und klar

Körperbau: schlank, feingliedrig, lange Extremitäten

Körperteile: Gehirn, Nerven, Haut, Zwerchfell, Knochen, Gelenke, Darm, Bewegungsprinzip

Gleichgewicht: Kreativität, Einfallsreichtum, Hellsichtigkeit, Sensibilität, Agilität

Ungleichgewicht: Trockenheit, Gelenke, Schlafstörungen, Nervosität, Ängste

Witterung: windig, kalt (Frühjahr, Herbst, Winter)

Lebensalter: Ab 60

Vata ist das leichteste der drei Doshas. Es bewegt sich an der Grenze der Stofflichkeit zur Feinstofflichkeit und ist für jegliche Bewegung im Körper verantwortlich (Darmperistaltik, Atmung, Herzschlag). Da eine der Haupteigenschaften dieses Doshas die Trockenheit ist, kommt es bei erhöhtem Vata häufig zu Trockenheit in allen Geweben (Haut, Haare, Gelenke, Verdauung). Auch nervliche Überreiztheit und Angstzustände, sowie Schlafstörungen haben oft mit einem erhöhten Vata zu tun.

Vata wird erhöht durch übermäßige Bewegung und die Arbeit in kalten oder klimatisierten Räumen. Trockenes und kaltes Essen und gekühlte Getränke, sowie Nahrung, die lange im Kühlschrank aufbewahrt oder mehrfach aufgewärmt wurde erhöhen das Dosha ebenfalls. Außerdem wirken sich die modernen Medien wie Fernseher, Computer und Smartphones erhöhend auf dieses Dosha aus, da die ständigen Reize unbewusst unseren Geist in Anspruch nehmen, der zum Vata-Dosha gehört.

Für Vata Typen empfiehlt sich besonders die Abhyanga mit warmem Öl, da sowohl die Wärme, als auch die Schwere des Öles ausgleichend auf dieses Dosha wirken können.

Pitta

Element: Feuer, Wasser

Eigenschaften: heiß, scharf, flüssig, ölig, sauer

Körperbau: Normaler Körperbau, normales Gewicht

Körperteile: Magen, Leber, Gallenblase, Milz, Blut, Augen, Enzyme

Gleichgewicht: Intelligenz, Verständnis, Erkenntnis, Wissen, Weisheit, Mut, Ehrgeiz, Transformation

Ungleichgewicht: Haarausfall, Entzündungen, stark riechende Körperabsonderungen, Sodbrennen, Übelkeit, hormonelles Ungleichgewicht, Hitzewellen

Witterung: schwül, warm (Hochsommer)

Lebensalter: 16-60

Pitta ist das Dosha der Umwandlung im Körper. Es steht für schwüle Hitze, bei der Umwandlungsprozesse bekanntlich auch schneller ablaufen. Verdauungsorgane und -enzyme und viele Hormone gehören zum Pitta-Dosha. Die Haupteigenschaften sind heiß und sauer, dadurch kommt es bei erhöhtem Pitta (Übersäuerung) häufig zu Entzündungen im Körper oder an der Hautoberfläche.

Pitta wird erhöht durch die Arbeit an heißen Orten (z.B. an Öfen), sowie durch die Arbeit oder den Aufenthalt in der Sonne. Nachtarbeit, bzw. häufiges Aufbleiben bis nach 24:00, der Konsum von Alkohol und Tabakwaren erhöht Pitta ebenfalls.

Im Nahrungsmittelbereich erhöht vor allem Frittiertes, Salziges, Scharfes und Saures dieses Dosha. Besonders hoch ist der Gehalt an Pitta häufig in rotem Obst und Gemüse (Ausnahmen Rote Bete, Granatapfel). Aber auch unterdrückte Wut, Ärger und Zorn wirken sich erhöhend auf Pitta aus.

Auf Pitta-Typen wirkt die Abhyanga mit warmem Yashtimadhu-Öl (Süßholz = kühlend) ausgleichend. Die kühlende Wirkung kann durch ein ausgleichend wirkendes Pulver verstärkt werden.

Kapha

Element: Wasser, Erde

Eigenschaften: schwer, langsam, kühl, ölig, flüssig, schleimig, dicht, klebrig

Körperbau: kräftig, muskulös, sehr gut proportioniert, ölige Haut

Körperteile: Blutplasma und Zellplasma, Gelenkflüssigkeit, Sekrete zwischen den Organen

Gleichgewicht: Bewahren und Aufbauen, gutes Gedächtnis, Liebe, Frieden, Ruhe

Ungleichgewicht: Antriebslosigkeit, Überernährung, Verschleimungen, Trägheit

Witterung: kühl, feucht (Frühjahr, Herbst, Winter)

Lebensalter: 1 – 15

Kapha ist das schwerste der drei Doshas und steht für alle aufbauenden Prozesse im Körper, sowie für das flüssige, bewahrende Prinzip. Daher findet es sich im Blut- und Zellplasma, in der Lymphe und in der Gelenkflüssigkeit. Die Haupteigenschaften sind schwer und langsam, deshalb kommt es bei erhöhtem Kapha häufig zu Müdigkeit und Trägheit, auch auf Stoffwechsel und Lymphfluss bezogen (Stauungen + Verschleimungen).

Erhöhend auf Kapha wirken sich vor allem schwere, fettige Speisen aus (Milchprodukte). Obst und Gemüse mit hohem Wasseranteil, wie z.B. Gurken, Melonen und Weintrauben, sowie Vollkornkost im Übermaß erhöhen Kapha ebenfalls. Kühle, feuchte Arbeitsbedingungen führen zu einem erhöhten Kapha-Dosha. Auch Habgier und übertriebene Anhänglichkeit gelten als Kapha-erhöhend.

Für Kapha-Menschen sind vor allem die Garshan-Handschuhmassage und die Pulvermassage mit oder ohne Öl zu empfehlen. Da in unserem Kulturkreis, bedingt durch unsere Lebensweise und Ernährung, aber auch bei Menschen mit natürlich hohem Kapha-Dosha häufig Erhöhungen des Pitta-Doshas und vor allem auch des Vata-Doshas auftreten ist meist auch eine Abhyanga mit dem entsprechenden, angewärmten Öl sinnvoll um erst die anderen Doshas ins Gleichgewicht zu bringen.